Das Bündnis der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau nimmt den Übergriff auf das selbstverwaltete Jugendkulturzentrum Freiraum e.V. Dachau, ein aktives Mitglied unseres Bündnisses, mit großer Besorgnis zur Kenntnis. Rechtsextremistische Schmierereien am Gebäude sowie während einer laufenden Veranstaltung stellen einen Angriff auf die demokratische Kultur und das zivilgesellschaftliche Engagement in unserer Region dar.
Als Bündnis von 38 Institutionen vereinen wir demokratische Kräfte aus Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung und fördern gemeinsam Projekte, die Demokratie gestalten, Vielfalt stärken und gegen jede Form von Extremismus wirken. Rechtsextremismus stellt dabei eine der größten Bedrohungen für unsere Gesellschaft dar.
Wir stehen solidarisch an der Seite des Freiraum e.V. Dachau und aller Initiativen, die sich für ein respektvolles, friedliches und inklusives Miteinander einsetzen. Als Bündnis machen wir deutlich, dass wir jeder Form von Aggression, Sachbeschädigung, Rechtsextremismus und Antisemitismus geeint und mit klarer Ablehnung begegnen.
Vor gut drei Jahren wurde Familie Esiovwa in einem nächtlichen Abschiebeeinsatz innerhalb weniger Stunden von Karlsfeld nach Lagos gebracht und dort ihrem Schicksal überlassen.
Ganz allein hat man die Familie dann doch nicht gelassen, Menschen aus Dachau und anderswo haben bis heute über 30000 € gespendet und damit nicht nur ein Zeichen gesetzt. Der Schulbesuch, dringendste ärztliche Versorgung und ein halbwegs sicheres Leben wären ansonsten unmöglich gewesen.
Entgegen allen Hoffnungen haben sich die Eltern nicht gesundheitlich erholen können. Die Zukunft der Familie hängt immer mehr von der Tatkraft der ältesten Tochter Stephanie ab.
Julie Richardson hält den Kontakt nach Nigeria aufrecht, bekommt mit wenn Not herrscht, aber auch wenn es Schulzeugnisse gibt. Es sind eigentlich gute Zeugnisse, wenn man weiß, dass Gabriel dort keine Förderung bekommt und er unter schwerem Asthma leidet. Das Klima vor Ort und die Umweltbelastungen erschweren sein Leben.
Wie es ihm und seiner in Dachau geborenen Schwester Claudia in Zukunft ergehen wird, hängt sehr davon ab, wie Stephanie Esiovwa sich entwickeln wird. Ob jemand im Landratsamt Dachau jemals darüber nachgedacht hat, wie die Familie überleben soll? Man ist damals sehr eifrig gewesen, die Abschiebung so schnell über die Bühne zu bringen, dass man sich diese Gedanken in der Härtefallkommission nicht mehr machen konnte. Der Vorwurf wird weiter auf den Verantwortlichen lasten, die weiter so tun als würde man sich hinter riesigen Aktendeckeln verstecken können. Gerade dass die Akten, die Einblick über fragwürdige oder gar rechtswidrige Handlungen geben könnten, immer noch vor einer Überprüfung zurück gehalten werden, hält diesen Fall weiter aktuell.
Vielleicht gibt es für Stephanie Esiovwa nach ihrer Schulausbildung tatsächlich die Möglichkeit nach Deutschland zurückzukehren, tatsächlich in einem Beruf in dem man sich um andere sorgt und anderen hilft. Vermutlich wird das nicht in einem Ausländeramt in Dachau sein. Vermutlich wird sie aber auch deswegen nicht in unserem Land arbeiten können, weil sie ihre Familie zurücklassen müsste. Die Ungerechtigkeiten lassen sich einfach nicht mehr zurückdrehen, sie vermehren sich.
Eigentlich wissen wir, wie wir Nicolas Esiovwa helfen können, mit Therapie und Medikamenten, so wie es ihm in Deutschland geholfen hat. Wir haben ihm einmal für wenige Monate diese Medikamente zukommen lassen können, es hat geholfen. Aber diese Wege konnten wir aus unterschiedlichen Gründen nicht weiter gehen. Herr Esiovwa hat weiter erhebliche Beeinträchtigungen in seinen Bewegungen und Schmerzen. Die Therapie besteht nun eigentlich nur noch aus Schmerzmitteln, die es auch in Nigeria gibt.
Wir haben ärztliche Beratung in unserem Team. Sollten sich neue Möglichkeiten ergeben, die Krankheit in Nigeria in der Griff zu bekommen, werden wir das herausfinden. Aktuell wissen wir uns aber nicht zu helfen. Es gibt immer noch die Hoffnung, dass sich die Mutter der Familie so gut erholt, um die notwendige Operation machen lassen zu können. Wir erinnern uns, dass ihre Krankheit den Abschiebebehörden in Dachau bekannt war, zugesagt war die Untersuchungen abzuwarten. Man muss sich schämen, was bestimmte Leute in Behörden dann für Entscheidungen treffen. Man hat sich das getraut, weil man sicher war, die Familie Esiovwa würde niemanden kümmern.
Wir tun das weiter und stellen uns weiter der Entrechtung von Geflüchteten entgegen, weil es in unserem aller Interesse ist, dass es in der Welt Schutzzonen geben muss, wohin Menschen fliehen können. Wir können vielleicht Mauern bauen, unsere Herzen verschließen. Hoffnungslosigkeit, das Recht des Stärkeren, Gewalt und Korruption in anderen Teilen der Welt, werden wir mit Bürokratie, Härte und unchristlichem Handeln aber an keiner Grenze aufhalten können. Wir und die nachfolgenden Generationen sind Teil der gesamten Welt.
Dank an die Unterstützung in den Parteien, insbesondere der SPD mit Michael Schrodi. Vor allem aber großer Dank an alle, die mithelfen, die Familie weiter so lange zu stützen, bis die Kinder eine Zukunft haben!
Stefan Haas, Sprecher Seebrücke Dachau am 3.August 2025
Gegen die Streichung der finanziellen Unterstützung für zivile Seenotretter*innen durch die Bundesregierung.
Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, verdient Unterstützung! Die zivile Seenotrettung im Mittelmeer ist oft die letzte Hoffnung für Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Armut fliehen. Doch statt diese lebensrettende Arbeit zu stärken, plant die Bundesregierung, sämtliche Fördermittel zu streichen.
Diese Entscheidung bedeutet konkret: weniger Schiffe, weniger Einsätze – mehr Tote.
Deutschland trägt Mitverantwortung für die humanitäre Katastrophe an den Außengrenzen Europas und daher auch Verantwortung, die zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu unterstützen.
In einem Jahr historischer Neuverschuldung nun ausgerechnet die Seenotrettung zu streichen, sendet ein fatal falsches Signal. Es ist unsere Pflicht, Menschenleben nicht dem Spardiktat oder rechtsextremer Forderungen zu opfern.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Friedrich Merz, Sehr geehrter Herr Außenminister Johann Wadephul, Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister Lars Klingbeil,
wir fordern Sie auf: Stoppen Sie die geplante Streichung der Gelder für zivile Seenotrettung! Statt sich aus der Verantwortung zurückzuziehen, erwarten wir von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zu Menschlichkeit, internationaler Verantwortung und den Werten unseres Grundgesetzes.
Funktionierende Seenotrettung ist keine Frage des guten Willens – sie ist eine rechtliche, humanitäre und moralische Verpflichtung der europäischen Staaten. Dass diese Aufgabe heute in weiten Teilen von zivilgesellschaftlichen Akteuren getragen werden muss, ist ein Versagen der europäischen Staatengemeinschaft. Jenen die Unterstützung zu entziehen, die dort Verantwortung übernehmen, wo Deutschland und die EU ihrer Pflicht nicht gerecht werden, ist gewissenlos.
Die Bundesregierung aus CDU und SPD muss sich an ihren eigenen Grundsätzen messen lassen: Christliche Werte dürfen nicht an den Außengrenzen Europas enden und ein Bekenntnis zu internationaler Solidarität bedeutet, dort zu handeln, wo Leben gerettet werden müssen.
Leo Schneider, Hibba Kauser, Helen Hauser über innn.it
Zivilisation muss auch in Regierungshandeln erkennbar bleiben. Und wer weiter legale Fluchtmöglichkeiten abschafft und Kampagnen dagegen zu verantworten hat, dem sind Menschenleben egal. Letztlich dann auch die Menschen der eigenen Nation. Dieses Wissen sollte keinem fremd sein. Und Hilfe ist auch Eigennutz. Was sich als christliches oder humanes Handeln auszeichnet, hilft allen.
Stefan Haas als Sprecher der Seebrücke Dachau im Juni 2025
Herrad Meese, Cornelia von Schelling, Waltraud Volger undAnni Kammerlander
Am Ende sind es dann doch über zwei Stunden geworden, in denen wir über die Erlebnisse und die Schicksale von Menschen auf der Flucht und ihrem Ankommen bei uns erfahren haben. Es ist gerade die Hilfe, die viel Fachkenntnis und Erfahrung braucht, die in so vielen Fällen eine Linderung der psychischen Not erreichen kann. Etwa 30% der Menschen mit Fluchterfahrung haben ein schweres Trauma erlebt, das tief in ihnen rührt. Anni Kammerlander hat bereits Anfang der 90er Jahre den Aufbau von Refugio begonnen. Refugio München mit Außenstellen in Landshut und demnächst Augsburg hat nun über 100 Mitarbeiter:innen, die leider nur einen Bruchteil des Bedarfs abdecken können.
Ein Mensch in einer Traumakrise durchleidet das Erlebte erneut im Hier und Jetzt. So die Aussage, die ich mir weiter nur schwer vorstellen kann. Im Buch werden solche Situation, die Außenstehende nur schwer fassen können, verdeutlicht. Man ahnt wie undifferenziert jede Berichterstattung über Amoktaten von psychisch kranken Menschen sein kann und nahezu sein muss.
Posttraumatische Belastungsstörung kenne ich als Begriff im Kontext der aus Afghanistan zurückgekehrten deutschen Soldaten. Die meisten von uns haben aus ihrer eigenen Familie, wenn auch über Generationen zurück liegend, eine Ahnung was Krieg mit Menschen macht. Jahrzehntelanges Schweigen machen aber schlimmste Gewalttaten nicht ungeschehen und die Seelen verlangen eine Heilung. Wenn man sie denn findet. Und genau diese Erfahrungen aus Kriegen machen auch Menschen auf der Flucht, die bereits durch die Gründe ihrer Heimat verlassen zu müssen oft traumatisiert sind.
Syrien, Afghanistan, Irak in langen Jahren mit Krieg. Ethnische Konflikte in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern. Diktaturen, egal welcher Farbe, terrorisieren ihre Bürger:innen, die sich nach einem Leben ohne Angst und in Freiheit sehnen.
Sicher, Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt und bietet im Großen und Ganzen vielen Menschen eine sichere Zuflucht, oft auch einen neuen sicheren Weg, manchmal auch eine Heimat. Darüber, dass diese Errungenschaften heute gering geschätzt werden und diese immer mehr zurück gedrängt, brauchen wir nicht zu diskutieren. Die Welt, die wir der nächsten Generation überlassen, wird auch in diesem Thema eine andere sein. 2025 ist ein Jahr, das für Chaos steht. Schon jetzt im April.
In der Rückschau haben wir seit den 90er Jahren viel im Umgang über Geflüchtete und deren Probleme gelernt. Gelernt wie man überhaupt richtig kommuniziert, über Dinge, über die man so oft nicht redet. Nicht reden will, nicht reden kann. Wenn Behörden in diesem Kontext nicht nur involviert sind, sondern über Leben entscheiden, hat das nochmal eine weitere Ebene von Dramatik. Dass man an entscheidender Stelle auch in der Verwaltung kultursensibel sein kann, tatsächlich auch als Behörde nachhaltig und kenntnisreich helfen kann, ist bewiesen. Leider geht das Wissen darum immer wieder verloren, wenn der Wille zum Helfen verloren geht.
Anni Kammerlander, Gründerin von Refugio, lobt daher auch ausdrücklich die Asylhelferkreise. Dort wo sich Menschen für andere, fremde Menschen ehrenamtlich einsetzen, dort geschieht echte Hilfe, die Lebenswege oder überhaupt das Überleben neu möglich machen. Uns weiter und noch mehr zu vernetzen, es zu schaffen, dass möglichst viele an einen Strang ziehen, daran müssen wir weiter bauen. Das Wissen darf nicht verloren gehen. Wichtig ist es, möglichst auch neue Leute und junge Leute zu begeistern. Auch das können wir der nächsten Generation mitgeben. Der Abend hat auf jeden Fall dazu beigetragen.
Mir hat es geholfen, trotz der viele Rückschläge und vor allem trotz der anscheinend immer kälter und gefühllos werdenden Einheimischen, weiter dabei zu bleiben. Alles was wir heute positiv beeinflussen, kann auch in Jahrzehnten noch wirken. Und wenn wir etwas brauchen, dann ist es die Hoffnung auf eine gute und bessere Zukunft auf diesen Planeten. Dieses Buch macht Hoffnung.
In unterschiedlichen Kontexten begegnen uns Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. So gut wie nie ahnen wir, welch bittere und gewaltsame Erfahrungen sie in ihrem Heimatland und auf ihrer Flucht erlebt haben. Sechs Geflüchtete haben Cornelia von Schelling und Waltraud Volger einen Blick hinter ihre nur scheinbar normale Welt gestattet. In zahlreichen Treffen haben sie ihnen ihre schmerzhafte Geschichte anvertraut – warum es keine Alternative zur Flucht aus ihrem Land gab und zu welch tiefen psychischen Verstörungen das geführt hat.
Die Schatten der Vergangenheit erschweren Geflüchteten ein einigermaßen sicheres, normales Leben. Refugio München, das Beratungs- und Behandlungszentrum für Menschen mit Fluchterfahrung, ermöglicht ihnen, einen Weg dahin zu finden: mithilfe professioneller psychosozialer, therapeutischer und pädagogischer Arbeit sowie der systematischen Einbeziehung der Prägungen der Geflüchteten durch deren kulturelle Wurzeln. Sieben Texte zeigen diese Angebote von Refugio München in Theorie und Praxis.
Herrad Meese, Germanistin, M.A., freie Autorin und Lektorin, lebt in München.
Im Bereich Deutsch als Fremdsprache veröffentlichte sie ein multimediales Lehrwerk, ein Buch zur Grammatikvermittlung, zwei Radiosprachkurse. Seit langem engagiert sie sich politisch zum Thema Migration und Flucht, u.a. 5 Jahre als Referentin für Bildung und Migration in der Stadtratsfraktion.
Cornelia von Schelling, promovierte Amerikanistin, lebt in München.
Sie war als Redakteurin tätig und veröffentlichte Sachbücher zu psychologischen Themen sowie mehrere Bücher über Lateinamerika.
Sie engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich bei Refugio München, u.a. als Vorständin im Refugio Förderverein. 2008 wurde die von ihr aufgezeichnete Autobiografie der Schwabinger Gisela veröffentlicht.
Alle drei Autorinnen engagieren sich ehrenamtlich im Förderverein von Refugio München.
Anni Kammerlander gründete 1994 mit anderen couragierten Frauen Refugio München, das Beratungs- und Behandlungszentrum für Menschen mit Fluchterfahrung.
Sie war dort bis 2012 Geschäftsführerin und ist bis heute Vorständin im Förderverein Refugio München und in der Stiftung ChancenReich. Sie engagiert sich unermüdlich für Geflüchtete, die psychosoziale Hilfe brauchen und hat durch ihren jahrzehntelangen Einsatz einen großen Erfahrungsschatz in der Geflüchtetenhilfe.
Es gibt unfassbar böse Taten in dieser Welt, wie diese vom 22.01.2025 in Aschaffenburg.
Im Deutschland dieser Tage geschieht dies selten, unser Land ist zivilisiert. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden in Deutschland im Jahr 2020 2.401 Fälle von Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen erfasst. Die Anzahl der Suizide liegt jährlich bei etwa 10.000 Fällen. Die Gründe für diese Taten sind höchst unterschiedlich, sie lassen sich präventiv nur bedingt vermeiden.
Menschen erleben in Teilen der Welt ebenso böse Taten wie diese aus Aschaffenburg leider zu häufig. Meist hervorgerufen durch Krieg, in dessen Folge Raub, Vergewaltigung, Folter, Zwangsrekrutierung und insbesondere Mord an Angehörigen. Die Abwesenheit von Krieg schließt diese Erfahrungen in Diktaturen nicht aus. Gefängnisse im Iran oder in Syrien waren und sind als Hölle oder gar als Schlachthaus bekannt.
Menschen, die dies erleben, sind in ihrem Leben gefährdet, insbesondere Kinder und Heranwachsende. Und Frauen generell.
Stand heute flüchten 84 Millionen dieser Menschen innerhalb ihres Staates vor regionaler Gefahr. Die Länder Sudan, Syrien, Republik Kongo, Kolumbien und Jemen stellen davon fast die Hälfte. Weitere 38 Millionen treibt es in die Nachbarländer und darüber hinaus. Als Flüchtlinge suchen sie nach internationalem Schutz. Quelle UNHCR.
Ein Teil dieser Menschen kommt bis nach Europa und werden dort sehr unterschiedlich aufgenommen. Das Asylrecht in Europa ist kompliziert und wird von den Nationalstaaten oft nicht eingehalten. Zur aktuellen Situation ist es interessant, dass das EU-Land Bulgarien mit Flüchtlingen willkürlich umgeht. Von Haft und Folter habe ich schon aus der Zeit um 2016 erfahren. Von Leuten, die das dort erlebt haben. Und Unglücke, ob mit oder ohne Beteiligung von Frontex-Einsatzkräften, passieren auch schon im Mittelmeer.
Die Gründe für Flucht in der Welt sind vielen nicht bekannt. Bekannt sollte aber sein, dass eine Aufnahme der Geflüchteten nicht nur viel Leid mindert, sondern abertausenden von Menschen das Leben rettet. Insbesondere von Kindern und Frauen. Deutschland bietet heute noch Unterkunft, Schule, Ausbildung, Arbeit und Menschenwürde. Und Möglichkeiten, die schweren psychischen Verletzungen zu behandeln, oft zu heilen. Es bedingt vieler Hilfen, den Menschen ihre Würde und ihre Tatkraft zurück zu geben. Dass dies tatsächlich passiert und gelingt, dafür stehen Millionen Ehrenamtliche in Deutschland, die bei Behörden, Arztbesuchen und überhaupt die Wege mitgehen. Es entstehen Freundschaften, positive Lebenswege und oft wird die Hilfe auf vielfältige Weise gedankt. Auch in der Weise, dass Geflüchtete ein stabiler Teil unserer Gesellschaft werden, die uns sozial und wirtschaftlich stützen.
Aber natürlich nicht in jedem Fall, Misserfolge und große Probleme leugnet niemand. Misserfolge und große Probleme leugnet niemand, ich wiederhole es mehrmals. In diesen Tagen behauptet das der Kanzlerkandidat der Union. Er fragt, wie viele tote Kinder man denn noch in Kauf nehmen würde, bis man handelt. Die Leute auf der Straße fordern in Interviews etwa vom TV-Sender der ‚Welt‘, dass nun endlich was passieren müsse. Die Union selbst legt Forderungen vor, die Hilfe für Flüchtlinge in Zukunft noch mehr einschränken soll, möglicherweise nahezu komplett zu beenden. Friedrich Merz ist es nach eigener Aussage, egal mit wem er diese Politikwende einläutet. Er bricht damit mit der christlichen, humanen Weltanschauung seiner Partei. Für Deutschland und entsprechend für Europa. Das kann jedes Jahr etwa eine Million Menschen betreffen, je nach Kriegslage in der Welt auch ein Vielfaches davon.
In Bezug auf die Tat von Aschaffenburg würde es vor allem die Opfer im Kindesalter betreffen. Der Junge war marokkanischer Abstammung, das überlebende Mädchen syrischer Herkunft. Dass genau solchen Menschen in Zukunft Hilfe versagt bleiben soll, ist Wille derer, die diese Anträge der Union unterstützen.
Man will wohl die Täter unter den Geflüchteten treffen, diejenigen die mit ihrer persönlichen oder erfahrenen Gewalt nicht umgehen konnten und können. Ein Gericht wird feststellen, welche Schuld der 28-jährige Täter nach Recht und Gesetz auf sich geladen hat. Und man wird neue Methoden suchen, um Menschen, ob krank oder von migrantischer Herkunft, noch mehr zu kontrollieren.
Nur, es wird wieder Taten geben, die so einem Muster an Handeln dienlich sind. Diese Art von Tod ist rechtsextremen identitären Erzählungen nützlich. Die Drehbücher sind längst geschrieben. Und man wird weiter Wege gehen, um aus Deutschland ein Land zu machen, das von aktiver Hilfe zu passiver Teilnahmslosigkeit übergeht. Die Untaten, ob nun aus Kalkül oder aus unkontrolliertem Wahn, finden dann vermehrt, tausendfach vermehrt, in anderen Teilen der Welt statt. Parteien nehmen das für die Teilhabe an der Macht in Kauf.
„Deutschland scheint eines der Länder zu sein, denen es peinlich ist Geflüchteten in großer Zahl geholfen zu haben. Seit den Balkan-Kriegen hat Deutschland Millionen Menschen geholfen, die vor Krieg geflohen sind. Diese geschichtliche Leistung wird von denen herabgewürdigt, die meinen, dieses Land wieder in biedere Vergangenheit führen zu müssen.“
„Wenn die Todesfälle von Aschaffenburg Folgen haben sollen, dann kann es nur sein, weiter das Leid von nach Deutschland geflüchteten Menschen zu lindern und diesen in höchster Not weiter beizustehen.„
Stefan Haas, Sprecher der Seebrücke Dachau am 7.Februar 2025
PS: Noch eine mir wichtige Anmerkung. Die Notwendigkeit Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, zu helfen, ist universell. Das war gerade in einer Zeit wichtig, als die Menschenrechte noch nicht so verfasst waren wie heute … also vor 1945.
Mir war bislang nicht klar, dass eine Spielemesse wie am 9.November in Augsburg auch eine deutsche Besonderheit darstellt. Mit diesen Brettspielen bin ich aufgewachsen, wie die meisten aus meiner Familie auf dem Land oder in der Großstadt. In der Ukraine scheint diese Welt noch recht unerforscht zu sein.
So war es recht spannend zu sehen, wie das mit sehr unterschiedlichem Sprachniveau klappt. Mit dabei Masha, Volodimyr und Andreij. Dazu Raluca und ich von der Seebrücke Dachau, mit Freundinnen wie Luisa, Freunden wie Jürgen, Sven, Wolfgang und noch eine kleine ukrainische Familie.
Es war ein toller Tag, wir haben viel voneinander gelernt und die Sprachbrücke ist für alle noch stabiler geworden. Mal sehen, wie oft wir im Winter noch zum Spielen kommen. Das haben wir uns vorgenommen!
Stefan Haas, Sprecher Seebrücke Dachau
Was gibt es schöneres als bei einer Tasse Tee und einem guten Brettspiel neue Freude zu gewinnen? Nicht vieles wirklich. Die Spielemesse in Augsburg ist der ideale Ort um zusammen mit der Seebrücke neue Freundschaften mit den ukrainischen Geflüchteten zu schließen.
Was mir am meisten gefallen hat, wie nah doch immer wieder die Sprachen sich sind. Auf Englisch sagen wir „strange“, auf Rumänisch „straniu“ und auf Ukrainisch „strajnic“. Wir haben Dixit gemeinsam gespielt, dort ging es darum einen Oberbegriff für mehrere Bilder zusammen zu finden. Ich habe sehr schnell gelernt, dass Masha metaphorischer denkt, dafür hat der Papa doch manchmal komplexe Anspielungen auf aktuelle Ereignisse gemacht. Es war spannend zu merken wie viel wir gemeinsam haben und vieles konnte ich nur von der Betonung entnehmen. Wir haben gelacht und gemeinsam Rezepte ausgetauscht, es war einfach ein unvergesslicher Tag. Masha hat jedes Spiel gewonnen, obwohl ich diejenige bin, die seit 6 Jahre Brettspiele spielt. Es war mir eine große Freude dabei zu sein ! Masha hat Splendor, Dixit, Takenoko und Ritual gespielt, ihre Begeisterung war einfach nur wunderschön. Gerne wieder!
Raluca, Mitglied der Seebrücke Dachau
Mit Spiel ins Jahr 2025
Schon am 12.Januar sind wir zum Spieletag nach Giesing gefahren und waren dort von Mittag bis zum frühen Abend beim Spielen.
Es ist schon erstaunlich wie man auch beim Dodelido gefordert ist. So mancher hat Tiernamen gelernt deren Träger er nur selten im echten Leben antreffen wird.
Und natürlich trifft man im echten Leben eher auf Krokodile als auf Nerds. Außer eben, wenn man mit uns von der Seebrücke Dachau unterwegs ist!
Wenn unsere Pläne umgesetzt werden, dann werden wir solche Treffen auch in der Dachauer Gegend umsetzen. Schon jetzt zähle ich fünf Nationen, die wir in den zwei Veranstaltungen unter uns dabei hatten 😉
Für unsere Veranstaltung haben wir den provokanten Titel ‚Die Kinderabschieber‚ gewählt. Namensgebend ist ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Im Juli 2022 war das ein großes Thema in Dachau, es ist weiter ein großes Thema bei der Unterstützung der abgeschobenen Familie Esiovwa. Die Seebrücke Dachau informiert darüber weiter auf dieser Seite.
Nachdem 2023 weitere und ähnliche Fälle von Abschiebungen mit fragwürdigen Begründungen, aber mindestens völlig unverhältnismäßig hart die Schicksale von eigentlich deutschen Kindern und Jugendlichen betreffend, in Bayern passiert sind, folgt eben diese Veranstaltung.
Die Rufe nach einem “schneller, härter, gemeiner” in der deutschen Abschiebepolitik zeigen Wirkung. Familien werden nachts ohne Vorwarnung von der Polizei aus dem Bett gerissen und teils unter weiteren Zwangsmaßnahmen zum Flughafen gebracht. Schulklassen vermissen vom einen auf den anderen Tag Schüler, auch Abschiebungen aus Ausbildungsstätten sind keine Ausnahme. Durch das im Januar 2024 im Bundestag verabschiedete Rückführungs-Verbesserungs-Gesetz wird sich das brutale Vorgehen der Behörden in Bayern und anderen Bundesländern weiter verschärfen – denn sie erhalten noch weitreichendere Befugnisse, sich im Kontext von Abschiebungen über die Grund- und Menschenrechte Geflüchteter hinwegzusetzen.
Verletzt Deutschland durch diese Behördenpraxis und Gesetzgebung ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen nach der UN-Kinderrechtskonvention, allen voran den Kindeswohlvorrang? Welche Auswirkungen haben die Abschiebungen sowie das permanenten Klima der Angst, das durch die Abschiebungspolitik verbreitet wird, auf die Psyche und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen? Was passiert im Herkunftsland, nachdem die Abschiebung vollzogen wurde? Und was muss sich ändern, damit den “Kinderabschieber*innen” endlich Einhalt geboten wird?
Gemeinsam mit Rex Osa, Refugees4Refugees, Julie Richardson, Dipl.-Psych. und systemische Familientherapeutin, Michael Schrodi, MdBaus Dachau/Fürstenfeldbruck, Gülseren Demirel, MdLBayernund Sophia Eckert, Rechtsexperin bei terre des hommes, wollen wir – die Seebrücke Dachau, die eine abgeschobene Familie unterstützt – in der Veranstaltung “Die Kinderabschieber” diese Fragen diskutieren, und erörtern, wie Kinder und Jugendliche besser vor Abschiebungen geschützt werden können.
Siehe auch die Ankündigung in den sozialen Medien Instagram Facebook
Vorab kann ein Einblick in die Schwerpunkte der Teilnehmer:innen der Diskussionsrunde gegeben werden. Ohne Garantie auf Vollständigkeit.
Julie Richardson Dipl.-Psychologin und systemische Familientherapeutin Sie arbeitet mit Kindern und hat das Schicksal der Familie Esiovwa in der Vorgeschichte und an den Tagen um Abschiebung direkt miterlebt. Ihr Kontakt besteht bis heute. Sie wird aus ihrer beruflichen Sicht und ihren persönlichen Erfahrungen berichten.
Rex Osa Arbeitet seit langen in seinem Projekt refugees4refugees. Er schildert die Situation der Menschen nach der Abschiebung. Unsere menschenrechtliche Verantwortung darf nicht am Flughafen enden.
Sophia Eckert Referentin für Politik und Kommunikation Sie spricht über die Vereinbarkeit unserer Maßnahmen mit dem Völkerrecht. Dabei lässt sie den Begriff Völkerrechtsverstoß nicht außen vor. „Das Rückführungs-Verbesserungs-Gesetz wird definitiv die Praxis verschärfen“, so ihre Aussage. Sie wird auch diesen Kontext klar ansprechen.
Gülseren Demirel (MdL) Integrationspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Grüne im Landtag
Michael Schrodi(MdB) Er hat sich von Beginn an für die Rechte der Familie Esiovwa eingesetzt und unterstützt bis heute die Hilfe, die man ihr zukommen lassen kann. Als Abgeordneter der SPD aus dem Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck kennt er die regionale Abschiebepraxis und hat auch Erfahrungen mit den zuständigen Landräten und ihren Aussagen.
Stefan Haas, im Februar 2024 Mitglied der Seebrücke Dachau e.V.
Am 30.9.2023 fand in Dachau die Kundgebung ‚Heimat ohne Ausgrenzung statt‘. Hier ein paar Impressionen zum Umzug vor allem mit der Münchner Ruhestörung. Zu sehen ist der Beginn des Demonstrationszuges.
Dann der Taktwechsel in der Bahnhofsstraße:
Auch bei der Kundgebung auf der Ludwig-Thoma-Wiese konnte jeder seine Talente zeigen: